Im Gespräch mit Prof. Konrad Zuse am 27.06.1990

Konrad Zuse als Künstler

Als ihre Kunstwerke in Hersfeld verkauft wurden, haben sie zehn Bilder auf einen Schlag verkauft, nicht?
... das war schon verhältnismäßig spät. In der ganzen Zeit, als ich meine Firma noch hatte, habe ich ja nicht gemalt und auch dann nicht ausgestellt, und habe erst Ausstellungen gemacht, als die Sache mit Siemens schon perfekt war, nicht, es war klar, ich war nicht mehr Firmeninhaber und hatte da auch keinen wesentlichen Einfluß mehr, da habe ich dann wieder angefangen zu malen.

Warum malen Sie?
Fragen Sie doch Leonardo da Vinci und so weiter, warum hat der gemalt? Nehmen Sie irgendeinen Maler - warum haben die gemalt, nicht. Ja aus einer gewissen Leidenschaft heraus, weil es gewissermaßen aus ihnen herauskam, nicht etwa, weil irgendjemand zu mir gesagt hat, jetzt male einmal, das nicht.

Sie haben ja schon sehr früh gemalt, als Schüler schon Lehrer karikiert, das waren ja schon Bilder mit Niveau, nicht einfache Kritzelzeichnungen.
Ja das war ja auch das Gefährliche daran, daß viele, die meine Zeichnung aus der Studentenzeit gesehen haben, sagten, Sie haben Talent, nicht. Das ist das Gefährliche. Vernünftige Leute sagten, Sie haben zwar Talent, aber werden Sie ja nicht Reklamezeichner. Und ich habe es dann kurze Zeit doch versucht und bin zum Glück gescheitert. Denn es wäre sehr schwierig gewesen, mich als Reklamezeichner durchzusetzen und ich hätte bestimmt nicht die Entwicklung nehmen können, die ich so gemacht habe, denn der Ingenieur ist nachher doch bei mir durchgebrochen.

Es ist ja Ihr Hobby, die Malerei.
Ich habe immer darauf geachtet, daß das Malen mein Hobby ist, auch heute noch.
Und warum halten Sie das für wichtig?
Ja, heute ist es an sich so, ich habe immer noch gewisse Arbeiten, ich habe zum Beispiel voriges Jahr noch - so etwa zwei bis drei Jahre darauf verwendet, das Gerät in Berlin nachzubauen. (Anmerkung: Z1) Auch während dieser Zeit habe ich praktisch nicht gemalt. Wenn ich also mit solch einer Sache voll eingespannt bin, male ich nicht; zwischendurch wie in diesem Frühjahr habe ich mal wieder einige Bilder gemalt. Ich bin jetzt aber weiterhin wissenschaftlich tätig und so fort und ich betrachte mich also nach wie vor mehr als einen Ingenieur und Wissenschaftler als einen Maler. Denn wenn ich die Malerei zum Beruf machen würde, dann würde ich auch eingespannt sein in die allgemeine Kunstszene, nicht. Man kann natürlich malen und sagen, ich verkoofe nüscht, wie der olle van Gogh, der arme Kerl, der hat zeit seines Lebens wohl ein Bild glaub ich verkauft, nicht, und ich könnte sagen, ich male und biete meine Bilder an, und ich habe auch in der letzten Zeit ganz gut
verkauft - ich könnte also verkaufen, aber trotzdem hätte es nicht gereicht, um meine Familie zu ernähren trotzdem ich gut verkauft habe.

"Gehen" Ihre Bilder eigentlich, weil Sie versuchen, Ihren Bildern eine ganz neuartige Gestaltung ...
Nö, das ist mit Wurscht.
Ich glaube nicht, daß das so einfach nebenbei gemacht wird ... zum Beispiel dieses Bild, das ist doch ganz offenkundig komponiert, das kann man doch sagen.
Ja, natürlich habe ich eine gewisse Idee im Kopf, nicht, das ist klar; ich arbeite also nicht streng nach der Natur, selten, kaum, und draußen sowieso nicht, und es ist ganz selten, daß mir mal ein bestimmtes Motiv gefällt und ich das als Vorlage nehme; und dann ändre ich es ab, nicht.
Das ist sofort zu sehen, nicht, die gestalterische Idee, auch an diesem Bild da drüben.
Ja, wenn ich ein echtes Segelboot genommen hätte, würde es anders aussehen ...
... das ist mehr als Hobby, meine ich, auf jeden Fall ...
Ja, natürlich - die Frage, wo liegt die Grenze zwischen Hobby und Arbeit, nicht ...

Als Sie an der Z1 gebaut haben, haben Sie nicht gemalt, aber vorher ...
Ja, also sobald ich mich entschlossen hatte, ich will jetzt diese Computer entwickeln, diese programmgesteuerten Rechenanlagen, da habe ich also alles beiseite gestellt; - ich hatte viel fotografiert - meine ganze Dunkelkammer zugemacht, nicht mehr gezeichnet, nicht mehr gemalt, auch nicht mehr geschauspielert, und darin bin ich wieder konsequent gewesen, nicht, und habe mich nicht ablenken lassen. ... Ich hätte mich auch auf Schauspieler konzentrieren können - das wäre zu riskant gewesen.
Na ja, aber Sie gemacht haben, war ja auch riskant.
Kann man wohl sagen! Aber das Endergebnis lag mir besser, nicht.

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Quelle: www.fundgrube-physik-chemie.de